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Design-Highlights vom Salone del Mobile 2026

by Josefine Zürcher
25. Juni 2026
in Living
Design-Highlights vom Salone del Mobile 2026

Möbel sind so viel mehr als nur Gebrauchsgegenstände. Am deutlichsten sieht man das jährlich an der Mailänder Möbelmesse. Und an unserer Auswahl an Favoriten. Unter denen tummeln sich unter anderem ein Tomatensessel, eine Sitzgelegenheit, die einer Umarmung gleicht, Wandfliesen, die nicht ganz nüchtern sind, reichlich Inspiration aus der griechischen Mythologie und ein Büchergestell, das sich endlos konfigurieren und erweitern lässt.


Liebling

Greek Tragedy

In der griechischen Mythologie könnte man sich stundenlang verlieren, schließlich gibt’s da mehr Drama, Intrigen und Liebesgeschichten als in jeder Seifenoper. Was es auch gibt: das Palladion, ein altes Schnitzbild der Städteschirmerin Athena. Hermès ließ sich für die „Palladion d’Hermès“-Kollektion davon inspirieren. Entstanden sind ein Krug und eine Vase, gefertigt aus gehämmertem Metall in Palladium-Optik, kombiniert mit Leder, Pferdehaar oder Holz. Athena selbst hätte diese bestimmt auch benutzt.
hermes.com

© Hermès
© Hermès

Nice to Have

Büromodus: Off

Ist Loungen ein legitimes Hobby? Wir finden ja. Sonst würde es nicht eine endlose Auswahl an sogenannten Lounge-Chairs geben. Wie „Graffetta“, ein Entwurf von Carlo Colombo. Graffetta bedeutet Büroklammer. Wenn wir darauf rumloungen, denken wir aber längst nicht mehr an irgendwas, was auch nur annähernd mit Büroarbeit zu tun hat. Die Inspiration liegt auch eher in Form und Material des kleinen Bürohelferleins: Wie das nebensächliche, aber praktische Utensil basiert auch der Sessel auf einer fließenden Form aus Metall.
lemamobili.com

© Lema

Mythical

Königlich Platz nehmen

Auch wenn Glastonbury seit 1191 den Anspruch erhebt, der sagenumwobene Ort Avalon zu sein – ob es den Ort je gab und wo er sich befindet, weiß niemand. Dafür kommt die mythische Stadt in zahlreichen literarischen Erzählungen vor, jüngst im 2023 erschienenen Roman „Avalon“ von Nell Zink. Bei Flexform ist Avalon kein Königreich, sondern ein Sessel. Der so bequem ist, dass man sich vorstellen kann, dass König Artus ihn in seinem Schloss hätte haben wollen. Gut, ist der weich gepolsterte Sessel auch für uns Normalsterbliche erhältlich.
flexform.it

© Flexform

Cozy

Summer Set-Up

Was gehört zum American Dream, nebst dem weiß gestrichenen Gartenzaun, der das traute Eigenheim umzäunt? Richtig, eine Veranda. Wie es die feministische und kapitalismuskritische Autorin bell hooks sagte: „Die Verandaschaukel war ein Ort, an dem man Vertrautheit aufbauen konnte.“ Auch ist die Veranda ein sogenannter Liminal Space, ein Übergangsort, eine Verbindung zwischen drinnen und draußen. Dieses Konzept diente dem Designduo Stephen Burks und Malika Leipers als Inspiration, um die „KIDA Porch“ mit Patchworkdecken noch bequemer zu machen. Vorbild war die Quilt-Tradition einer afroamerikanischen Community aus Gee’s Bend in Alabama, die seit Generationen für ihre kunstvollen und farbenfrohen Decken bekannt ist.
dedon.de

© Dedon
© Dedon

Formvollendet

All day long on the chaise longue

Komfort-EnthusiastInnen wissen: Die Chaise Longue ist der Inbegriff der genüsslichen Faulheit. Irgendwo zwischen Sessel und Sofa angesiedelt sorgt die Chaise Longue dafür, dass der Körper in eine fast schwerelose Position kommt. Gemütlichkeit zu zelebrieren heißt aber nicht, dass man in Sachen Design Abstriche macht. Schön ausschauen muss das Rumfläzen schon. Der belgische Architekt und Designer Vincent Van Duysen hat für B&B Italia „Moor“ designt, eine skulpturale und elegante Chaise Longue, auf der man drinnen und draußen die Beine hochlegen kann – ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Denn Pausen braucht jeder.
bebitalia.com

© B&B Italia

Kunstwerk

Hypnosegefahr

Traditionelle portugiesische Majolika sind Keramikfliesen, die mit deckender weißer Zinnglasur überzogen und anschließend mit leuchtenden Farben bemalt werden. „Acid Majolica“ ist das, was passiert, wenn Diesel die Finger im Spiel hat. Und Iris Ceramica, der Fliesenhersteller, mit dem Diesel seit nun zehn Jahren eine Partnerschaft hat. Wer sich das Muster auf den Fliesen genauer anschaut, dem fallen die bewusst verzogenen und asymmetrischen Formen auf – selbst wenn man gar nicht auf Acid ist.
diesel.com

© Diesel

Evolution

The only constant in life is change

Was sagt die Psychologie zum Thema Veränderung? Dass sie vielen Menschen schwerfällt. Aber auch, dass sie sich lohnt. Auch Armani Casa nimmt Stellung zum Thema Veränderung. Mit acht Designikonen, wie diesem Barschrank, zeigte das Haus an der Mailänder Möbelmesse, dass eine Evolution auch ganz sanft gelingen kann. Man muss ein Design nicht komplett auf den Kopf stellen. Aber bekannte und beliebte Stücke darf man trotzdem ein kleines bisschen weiterentwickeln. Denn frischer Wind tut besonders bei der Inneneinrichtung gut.
armani.com

© Armani

We Love

For Print Lovers

Was aussieht, wie eine elegante Art, Steuerdokumente und ähnlich Wichtiges neben dem Schreibtisch zu lagern, ist eigentlich für Bücher gedacht. „Doheny“, designt von Giampiero Tagliaferri, kann mit drei oder vier Ebenen konfiguriert werden. Für noch mehr Individualisierung können die Seitenwände aus poliertem Aluminium zusätzlich mit Leder bezogen werden. Wer mehr als eine Handvoll Bücher und Magazine besitzt – also hoffentlich die meisten, die das hier lesen – kann mehrere Dohenys aneinanderreihen und so Kompositionen gestalten, die ganze Wände füllen.
minotti.com

© Minotti

Tapetenwechsel

Morning has broken

Das beste Wellnesskonzept bringt nichts, wenn die Umgebung nicht stimmt. Darum fokussiert Apostoli Design auf Spas, Wellness und luxuriöse Hotelketten. Und ja, um richtig abzuschalten, muss alles den richtigen Ton treffen, selbst eine banale Wand. Für SpaghettiWall entwarf das Studio die Tapeten-kollektion „Eos“, benannt nach der gleichnamigen griechischen Göttin, deren Aufgabe es war, jeden Morgen aus dem Meer emporzusteigen und den Himmel in rosafarbenes Licht zu tünchen. Die Tapeten tun es der Göttin gleich: Sie zaubern in jeden Raum eine warme Stimmung, egal, welche Uhrzeit gerade ist.
apostolidesign.com, spaghettiwall.it

© Apostoli Design, Spaghetti Wall

Anniversary

Eine Dekade voller Ideen

Vor zehn Jahren wurde Vincent Van Duysen zum Kreativdirektor von Molteni ernannt. Die Beziehung begann aber schon 2010. Unter an-derem durch ein gemeinsam mit UniFor entwickeltes Projekt und der Gestaltung des Molteni&C-Stands auf der Messe in Köln. Für Molteni hatte Van Duysen von Beginn an Großes vor. Zu den ersten Ausdrucks-formen der Visionen des Belgiers gehörten die neuen Molteni&C-Stände auf dem Salone del Mobile sowie die Renovierung und Erweiterung des 600 Quadratmeter großen Flagship-Stores in Tokio. Und natürlich steuerte er bedeutende Produktentwürfe bei. Beispielsweise die modularen Sofas „Paul“ und „Augusto“, das Sideboard „Logos“, den Tisch „Mateo“ oder den Kleiderschrank „Gliss Master“. Zu den Neuheiten für 2026 gehören das Sofa „Julian“ und die Küche „Physis“. Zur Entwicklung von Molteni sagt Van Duysen: „Geleitet von einer langfristigen Vision statt von saisonalen Trends haben wir Proportionen, Materialien und Atmosphären mit Beständigkeit und Klarheit verfeinert“.
molteni.it

© Molteni

We Love

Hier spielt die Musik

Nieder mit dem Minimalismus, würden die Kommoden von Boffi skandieren, hätten sie denn eine Stimme. Ganz im Stil der Louis-XVI-Möbel aus dem 18. Jahrhundert gilt hier: Mehr ist mehr. Einen modernen Twist gibt’s aber. Denn Plattenspieler, Kopfhörer, Kabel und Mikrofone gab es damals noch nicht als Dekoelemente. Handwerkskunst schon. Und auch heute braucht es die. Denn Muster und Farben entstehen mit der sogenannten Intarsienkunst, bei der hauchdünne Holzschichten millimetergenau ineinander eingefügt werden.
fratelliboffi.it

© Fratelli Boffi

Outdoor It-Piece

One Hug, Please

Am Ende eines anstrengenden Tages auf die Couch plumpsen fühlt sich manch-mal fast so gut an wie eine tröstende Umarmung. „Loop“ von Ethimo sieht sogar aus wie eine Umarmung, denn zwei voluminöse Strukturen klammern sich aneinander. Und werden so zur kreativen Skulptur, auf der man es sich gemütlich machen kann. Designerin Elena Salmistraro be-zeichnet „Loop“ weder als Sofa noch als sonstige konventionelle Sitzgeleg-enheit, sondern als „eine hybride Form, die Hie-rarchien, vorgefasste Meinungen und eindeutige Interpretationen ablehnt.“ Die farbenfrohe Form ist outdoortauglich und macht sich am besten in wildgewordenen Gärten, die es mit vorgefertigten Strukturen und klaren Linien ebenso wenig ernst meinen.
ethimo.com

© Ethimo

Gut gepolstert

Mal kurz hinsetzen

Büros in New York und Toronto, über 100 Mitarbeitende: Designstudio Yabu Pushelberg, gegründet von George Yabu und Glenn Pushelberg, kann aus schier endlosen Kreativitätsquellen schöpfen. Für Porro entstand „Arnaldo“, ein gemütlicher Sessel, dessen Sitzfläche in der Luft zu schweben scheint. Die Polsterung gibt’s in Leder oder Stoff.
porro.com

© Porro
© Porro

Erleuchtung

Rundum hell

Was futuristisch daher leuchtet, wurde tatsächlich vor 55 Jahren designt. Die Lampe „Model 262“ von Astep entstammt dem vorausdenkenden Blick von Gino Sarfatti. Der neuen Version wurde ein weißer Farbanstrich verpasst. Die Idee hinter der runden Leuchte ist simpel: Die Glühbirne soll im Mittelpunkt stehen. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine verspiegelte. Weil das Licht sanft ausstrahlt, kann man sich auch mehrere 262er an Wand oder Decke hängen. Sarfatti verstarb nur etwas mehr als ein Jahrzehnt, nachdem er die 262 designt hatte. Dass nicht nur diese Lampe, sondern einige andere Modelle aus der Gino Sarfatti Collection auch im 21. Jahrhundert noch unsere Räume erhellen, beweist, dass das beste Design zeitlos ist – und seine Designer-Innen um Jahrzehnte überdauert.
astep.design

© Gino Sarfatti
© Astep Design

Collaboration

Couch Tomato

Passend zum anhaltenden Trend, gesundheitsbewusst durchs Leben zu gehen, orientieren sich auch Sitzgelegenheiten an buntem Gemüse. Wobei, der „Tomato“, den Chloé anlässlich des Salone del Mobile in unsere Wohnzimmer bringen will, folgt keinem neuen Trend: Der französische Designer Christian Adam entwarf den runden Stuhl bereits 1970. Poltronova, bekannt für das italienische „Radical Design“ der Sechziger und Siebziger, übernimmt die Entwicklung und Herstellung des neuen „Tomato“. Diesen gibt’s aus weichem Leder und in den etwas Tomaten-untypischen Farbtönen Creme, Cognac, Sand und Schwarz.
poltronova.it, chloe.com

© Poltronova, Chloé
© Poltronova, Chloé

Tags: Apostoli DesignArmaniAstep DesignB&B ItaliaCHLOÉDedonDieselEthimoFlexformFratelli BoffiGino SarfattiHermesLemaMinottiMolteniPoltronovaPorrosalone del mobileSpaghetti Wall
Josefine Zürcher

Josefine Zürcher

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