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Stella McCartney x H&M: Stella McCartney im Interview

by FACES Magazin
7. Mai 2026
in Fashion
Stella McCartney x H&M: Stella McCartney im Interview

In den Anfängen ihrer Karriere wurde sie noch als „Öko-Weirdo“ abgetan, wie Stella McCartney selbst erzählt. Das war ihr damals schon herzlich egal. Heute triumphiert sie, denn die Modeindustrie ist endlich, zwar eher schleichend als schnell, auf einem ähnlichen Stand. Nachhaltigkeit heißt längst nicht mehr, dass Kleidung nicht cool sein kann. „Man muss für Nachhaltigkeit keine Abstriche beim Stil machen“, sagt Stella. Mit ihrer zweiten Kollektion für H&M beweist sie es einmal mehr. Im Interview erzählt sie unter anderem, wie sich die neue Kollaboration von der ersten unterscheidet und auf welche Momente und Stücke aus ihrem Archiv sie zurückgegriffen hat.

Ann-Sofie Johansson & Stella McCartney

Vor zwanzig Jahren kreierte Stella McCartney bereits eine Kollektion für H&M. Nun ist sie zurück, mit derselben Coolness, derselben Kreativität und denselben Standards: kein Leder, keine schädlichen Chemikalien, kein Pelz, keine Federn und keine exotischen Tierhäute. Zudem setzt die Kollektion auf recycelte Materialien – ein Minikleid aus Spitze wurde mit mit kristallartigen Perlen aus 80 % recyceltem Glas verziert – und Innovationen. Industrie-Mais und recyceltes Pflanzenöl wurden für beschichtete Stoffe verwendet.

Der Style ist zu hundert Prozent Stella, wie man sie kennt: Scharfe Silhouetten, Blazer und Anzughose im lässigen Oversized-Look, ihre ikonische Falabella-Kette, zu finden auf Kleidern sowie bei den Accessoires, und Prints, die voller Nostalgie an die Neunziger und Zweitausender erinnern.

FACES: Zwanzig Jahre nach deiner ersten Kollektion für H&M lieferst du deine zweite gemeinsame Kollektion nach. Warum ist es der richtige Zeitpunkt, um die Partnerschaft wieder aufleben zu lassen?
Stella McCartney: Es fühlte sich richtig an, weil die Diskussion endlich auf dem gleichen Stand ist. Vor zwanzig Jahren nannten mich die Leute einen „Öko-Weirdo“, weil ich über tierversuchsfreie Mode und alternative Materialien sprach, als sich die Leute diese Fragen noch gar nicht stellten. Damals konnte es sich ziemlich einsam anfühlen, diese Themen voranzutreiben. Heute wissen wir, dass die größten Umweltauswirkungen in der Mode davon abhängen, woraus Kleidung hergestellt wird und wie sie produziert wird. Allein bei konventioneller Baumwolle werden riesige Mengen an Wasser und Chemikalien verbraucht, und neue Kunstfasern sind an fossile Brennstoffe gebunden. In dieser Kollektion verwenden wir Bio-Baumwolle, recyceltes Polyester, Bailu-ECO™- und Ecojilin™-Viskose sowie Textilien aus landwirtschaftlichen Abfällen, denn diese Materialauswahl verringert die Umweltbelastung im Vergleich zu den herkömmlichen Alternativen. Sogar unsere Verzierungen bestehen aus recyceltem Glas und Metall. Jetzt wieder zusammenzukommen, fühlt sich wie eine Gelegenheit an, zu sehen, wie weit wir bei diesem Thema gekommen sind, aber auch ehrlich zu sein, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Durch die Reichweite von H&M bleiben diese Entscheidungen keine Nische, sondern werden zur Normalität.

F: Wie unterscheidet sich diese neue Kollektion von der ersten? Und inwiefern ähnelt sie ihr?
SM: Die Absicht ist sehr ähnlich, aber die Mittel sind völlig anders. Seit den Anfängen meiner Marke bin ich davon überzeugt, dass erschwingliche Mode nicht auf Kosten deiner Werte gehen sollte – ich habe in keiner meiner Kollektionen jemals Leder, Federn, Pelze oder exotische Häute verwendet. Was sich geändert hat, ist, dass die Materialien nun endlich mit diesem Anspruch Schritt gehalten haben. Wir können mit Perlen aus recyceltem Glas, recycelten Fasern und RWS-zertifizierter Wolle arbeiten, ohne Kompromisse beim Design oder der Haptik einzugehen. Recyceltes Polyester verringert beispielsweise die Abhängigkeit von neuem Erdöl, und Bio-Baumwolle wird ohne den Einsatz künstlicher Pestizide oder Düngemittel angebaut. Was sich nicht geändert hat, ist meine Weigerung, Leder oder Pelz zu verwenden, und meine Überzeugung, dass Mode begehrenswert, modern und gleichzeitig verantwortungsbewusst in der Materialauswahl sein kann. Diese Beständigkeit prägt meine Arbeit seit über zwei Jahrzehnten.

F: Diese Kollektion blickt in dein Archiv. Wie hast du entschieden, was du einbeziehen wolltest?
SM: Das Überarbeiten von Stücken aus meinem Archiv hat mir so viel Energie und Freude zurückgebracht. Ich wollte aber nicht, dass sich die Kollektion wie ein Museum anfühlt. Ich wollte, dass sie lebendig wirkt. Wir haben uns Stücke angesehen, die etwas darüber aussagen, wer wir sind, und sie mit Designs kombiniert, die widerspiegeln, wo die Marke heute steht. In dieser Kollektion werden wie immer kein Leder, kein Pelz, keine Federn und keine exotischen Tierhäute verwendet, und die Stoffe werden sehr bewusst ausgewählt, sei es recycelter Stoff, zertifizierte Wolle oder Bailu-ECO™- und Ecojilin™-Viskose … Wir haben zum Beispiel eine Bomberjacke aus landwirtschaftlichen Abfällen mit einer Beschichtung, die teilweise aus Pflanzenöl besteht. Ich war schon immer der Meinung, dass Materialien genauso wichtig sind wie die Silhouette, denn sie sind für den größten Teil des ökologischen Fußabdrucks der Mode verantwortlich. Diese Kollektion fühlt sich wie ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart an und zeigt, wie lange diese Werte schon Teil meiner Arbeit sind.

„Kleidung sollte nicht wegwerfbar sein.“

F: Auf welche frühen Momente oder Stücke hast du zurückgegriffen, und warum gerade jetzt?
SM: In vielen meiner frühen Arbeiten ging es um Selbstbewusstsein und Langlebigkeit – um Stücke, die nicht trendorientiert, sondern persönlich waren. Dieser Ansatz entstand aus einem Instinkt heraus, ist aber heute noch relevanter, da Überproduktion und Abfall zu den größten Herausforderungen der Branche gehören. Kleidung sollte nicht wegwerfbar sein. Von Anfang an wollte ich, dass die Menschen eine Beziehung zu dem aufbauen, was sie tragen. Die Arbeit mit strapazierfähigen Materialien wie Wolle, durchdachten Kunstfasern und Verzierungen wie recycelten Glasperlen und recycelten Metallketten bedeutet, dass diese Stücke darauf ausgelegt sind, lange zu halten, wieder getragen und aufbewahrt zu werden. Diese frühen Ideen jetzt wieder aufzugreifen, fühlte sich richtig an, weil die Branche endlich erkennt, dass es bei Nachhaltigkeit nicht nur um Innovation geht, sondern auch darum, Dinge so zu entwerfen, dass sie länger genutzt werden können.

F: Einige Stücke beziehen sich auf ikonische Modemomente. Was bedeuten diese heute für dich?
SM: Sie sind sehr emotional, aber auch praktisch. Diese Momente sind mit Freundschaften, Erinnerungen und einem Gefühl von Freiheit verbunden – und genau darum ging es mir bei Mode schon immer. Der Verweis auf vertraute Formen und Momente hilft den Menschen, sofort eine Verbindung zu den Kleidungsstücken herzustellen, und diese Verbindung ist wichtig. Ich bin mit Eltern aufgewachsen, die sich einen Kleiderschrank teilten, weshalb ich zum Beispiel so von Schneiderkunst fasziniert bin – sie lässt jede Grenze zwischen männlich und weiblich verschwinden. Wenn jemand ein Kleidungsstück liebt, wird er es eher behalten, reparieren und wieder tragen. Wenn diese Stücke aus Bio-Baumwolle oder recycelten Fasern hergestellt sind, verringert man gleichzeitig die Umweltbelastung. Für mich macht Mode Sinn, wenn Kreativität, Emotion und Verantwortung zusammenwirken. Dieses Gleichgewicht hat meine Arbeit schon immer geleitet, und das tut es auch heute noch.

Hier siehst du, wie die Kollektion in echt und an Musikerin und Influencerin Faye Montana aussieht.

Fotos: © Stella McCartney x H&M

Tags: H&MInterviewStella McCartney
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