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Home Travel

Mild Things: Die Suyian Lodge in Kenia

by Michael Rechsteiner
12. Oktober 2026
in Travel
Mild Things: Die Suyian Lodge in Kenia

Der Ruf der Wildnis wird hier zum Flüstern. In einem 178 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet steht die Suyian Lodge wie ein Wasservogel auf dem Rücken eines Nilpferds: sanft, leise und dankbar für die Duldsamkeit einer so mächtigen Gastgeberin. Das 2025 eröffnete Luxusresort mit seinen 14 freistehenden Suiten ist eine perfekte Basisstation, um die Tiere und Landschaften Kenias zu erkunden. Zwischen Afrikanischen Wildhunden in freier Natur und Downward Dog im Yoga-Panorama-Raum lernen wir auf dieser Reise: Dort, wo kaum eine Menschenseele weilt, offenbart das Land die eigene Seele umso mehr.

Natürliche Materialien und Farben sorgen für innere Ruhe, auch wenn draußen die Wildtiere fauchen.
Auch in der Trockensavanne sitzt man nicht zwangsläufig auf dem Trockenen.

Sein Fell ist wie die Schneeflocke, ein absolutes Unikat. Die Zeichnung aus schwarzem, weißem und karamellblondem Haar macht jeden Afrikanischen Wildhund einzigartig. Fachleute erkennen einzelne Tiere oft auf den ersten Blick. Wer genau hinschaut, kann in den Wellen und Flecken vom Pelz die Landschaft ableiten, in der die Kreatur umher streift. Im Latein wird sie als „Bemalter Wolf“ bezeichnet. In der Sprache der Samburu und Massai heißt sie „Suyian“. Doch wie bei einer Schneeflocke in der Trockensavanne stand es auch um die Überlebenschancen des Afrikanischen Wildhundes lange Zeit schlecht. Als europäische RancherInnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gebiete in Zentral- und Südafrika besiedelten, verteidigten sie ihr Vieh gegen die Angriffe der Fleischfresser mit dem Finger am Abzug und Fallen im Gebüsch. Später löschten Krankheiten wie die Tollwut das Rudeltier fast komplett aus. Doch ausgerechnet ein Nachkomme von einem jener Rancher aus dem Norden trug maßgeblich dazu bei, dass sich heute der größte wildlebende Hund auf dem afrikanischen Kontinent langsam wieder ausbreitet.

VOM KUHHANDEL ZUR ELEFANTENRUNDE

Nicht jede Liebesgeschichte beginnt romantisch. Diese hier tut es immerhin einzigartig: Elizabeth Cross und William Powys lernten sich kennen, als Will bei einem Ausritt durchs kenianische Niemandsland im Flussbett eine Pistole fand. Er machte die Besitzerin ausfindig und traf dadurch auch die Frau seines Lebens. Elizabeth, eine ehemalige Krankenpflegerin im Ersten Weltkrieg, hatte die Waffe bei der Jagd nach Pavianen verloren. Die Affen hatten Herdentiere gerissen und waren deshalb zum Abschuss freigegeben. Powys’ Familie war bereits vor dem Krieg von England nach Kenia ausgewandert, wo William an der afrikanischen Front gegen die Guerilla-Armee des preußischen Kommandeurs Paul von Lettow-Vorbeck gekämpft hatte. Nach ihrer Heirat ließen sich Elizabeth und William an den nordwestlichen Hängen vom Mount Kenya nieder und gründeten eine Familie, der unter anderem Sohn Gilfrid Powys entstammte. Einige der größten Konflikte der Menschheitsgeschichte begannen damit, dass Großbritannien ungefragt irgendwo in der Welt auftauchte und nicht nur die Badetücher, sondern eine komplette Kolonialherrschaft ausrollte. Auch in Kenia beanspruchte Englands Krone das fruchtbare Terrain in der Region Laikipia und machte daraus die „White Highlands“. Das Gebiet war ausschließlich europäischen Neuankömmlingen vorbehalten, die dort großflächiges Weideland für Nutzvieh anlegten und dadurch nicht nur das Volk der Massai, sondern auch die lokale Tierwelt verdrängte. Als Kenia 1963 seine Unabhängigkeit erlangte, kehrten zahlreiche Besitzerfamilien zurück in ihre alte Heimat. William aber erwarb die 178 Quadratkilometer große Suyian Ranch und legte sie in die Hände von Gilfrid Powys. In den folgenden Jahrzehnten machte es sich Gilfrid zur Aufgabe, das Land wieder jenen Tieren zurückzugeben, die es ursprünglich bewohnt hatten. Aus der Suyian Ranch wurde das Suyian Conservancy. Wo einst kilometerweit Schafe und Rinder grasten, stampften nun wieder Elefanten durch eine Landschaft, aus der sie über 50 Jahre lang komplett verschwunden waren. Heute zählt das Suyian Conservancy zu einem der größten privaten Naturschutzgebiete von Laikipia, in dem sich diverse Tierarten – darunter auch der namensgebende Afrikanische Wildhund – wieder angesiedelt haben. Gilfrid Powys wurde sein Lebenswerk am Ende tragischerweise zum Verhängnis: 2017 wurde er von einem Elefanten zu Tode getrampelt.

Runde Sache: In der Suyian Lodge erwarten Gäste manche lokale Schätze.

MELKEN, ANGELN, STAUNEN

Wer die Fauna von Laikipia erkunden will, braucht sich nicht in Gefahr zu begeben. Das Suyian Conservancy bietet Expeditionen an, die seine Gäste behutsam und respektvoll an die wilde Natur heranführen. Während der zweimal täglichen (und zweimal nächtlichen) Game Drives lassen sich aus dem Jeep Leoparden, Impalas, Hyänen, Kuhantilopen und weitere Savannen-Bewohner beobachten. Auf geführten Wanderungen interagiert man mit der Landschaft bis auf die Fingerspitzen. Mitunter seltene Pflanzen, die der begeisterte Hobbybotaniker Gilfrid Powys einst penibel katalogisierte, streifen an den Trekkingschuhen der TourteilnehmerInnen vorbei, während über den Köpfen die fast rabenschwarzen Klippenadler kreisen. Wer die Beinarbeit lieber delegieren möchte, nimmt an einem begleiteten Pferdeausritt teil. Auf dem Rücken der Tiere wiegt man sich im Tempo der Netzgiraffen und Beisa-Oryx, die das Grasland nach ihrer nächsten Mahlzeit absuchen. Ebenfalls noch immer kauen Boran-Zuchtrinder im Suyian Conservancy, auch wenn es mittlerweile nur noch zwischen 2’500 und 3’000 Tiere sind. Die verbleibenden Ranchregionen stehen nicht mehr länger im Konflikt um Ressourcen, sondern sind mit dem Naturschutzgebiet abgestimmt. BesucherInnen sind dazu eingeladen, beim Hinaustreiben des Viehs auf deren Futterwiesen zu helfen. Bei den ursprünglichen Völkern von Laikipia spielt seit Jahrhunderten auch die Dromedarhaltung eine große Rolle. Die Hirten der Samburu nutzen die einhöckrigen Kamele zum Transport, verarbeiten sie zu Fleisch und Leder. Besonders wertvoll sind die Dromedare wegen ihrer Milch: Die Stuten geben diese – im Gegensatz zu Kühen – auch während längerer Trockenperioden ab. Gäste des Suyian Conservancys können ein traditionelles Kamel- Camp erkunden und selber beim Melken Hand anlegen. Es gibt in Laikipia eine Tierwelt, die gerne übersehen wird. Wahrscheinlich, weil sie nicht an der Erdoberfläche am Horizont entlang schleicht. Im Ewaso Narok River tummelt ein stilles Reich unter Wasser. Afrikanische Raubwelse, Sabaki-Tilapia und Afrikanische Karpfenfische schwimmen im Fluss, der sich quer durch die Region zieht und deren Feuchtgebiete belebt. Bei „Catch and Release“-Angelausflügen lassen sich die Fische genauer begutachten, ohne dass sie später auf dem Teller landen. Wer der Wasserwelt in Kenia noch tiefer auf den Grund gehen will, für den wird auf Wunsch ein Tagesausflug zum Lake Turkana organisiert. Der größte Wüstensee der Welt schimmert wie ein Jadestein und gilt mit seinen Millionen Jahre alten Fossilienfunde als die „Wiege der Menschheit“. Alle, die sich nach so vielen Eindrücken dringend in die eigene Wiege legen möchten, führen wir nun endlich durch die Tore eines außergewöhnlichen Resorts, das sich im Suyian Conservancy verbirgt wie eine schlafende Wildkatze im Schatten einer Schirmakazie.

 Keep calm, stay wild. Die Suiten der Suyian Lodge.

IM KOKON DER SAVANNE

Keine Angst, er beißt nicht. Die Statue eines Afrikanischen Wildhundes pirscht durchs Gebüsch am Eingang der Suyian Lodge. Für den flüchtigen Blick erscheinen das Hauptgebäude und die 14 freistehenden Suiten wie ein paar weitere braun-graue Kopjes – kleine, kugelartige Granithügel, die das Bild der Savanne prägen. Gebaut aus Naturstein und teilweise mit Pflanzen überwachsen, ragen die Gebäude nicht wie Fremdkörper aus der Natur, sondern sind Teil von ihr. Auch nach Betreten des Hotels fühlen sich Gäste wie in einem wohligen Kokon aus Lehm, Leder und Wolle. Architektur- und Designstudios aus Südafrika und England haben sich für die Gestaltung an Afro Wabi-Sabi orientiert: die japanische Gestaltungsphilosophie des Unvollkommenen, interpretiert durch afrozentrische Ästhetik und regionale Materialien. Wie eine Felsenpython im Vorwärtsgang sind Räume und Interieur in kunstvoll geschwungenen Formen. Unauffällig in den Farben, entfaltet sich ihre Kraft erst durch Berührung: raue Wände, weiche Teppiche, knisterndes Geflecht. Die Elemente der Savanne wurden für das Habitat mit zarter Hand gezähmt. Doch nur so weit, dass sie den Gästen Stil und Komfort bieten, nicht aber ihr Naturell verlieren. Flammen knistern. In den Laternen, die über die ganze Anlage verteilt sind. Und in der großen Feuerstelle, die im Eingangsbereich jeder Suite die BesucherInnen empfängt. In den noch immer gelebten Traditionen der Samburu und Massai ist das Feuer von zentraler Bedeutung. Es beschützt Mensch und Tier, initiiert Rituale, leuchtet in die Gesichter der Ältesten, wenn sie Sagen und Weisheiten weiterreichen. In der Suyian Lodge ist das allgegenwärtige Feuer eine Einladung zur stillen Reflektion. Ob während des Kerzenlicht-Dinners am Pool oder beim Blick von der Terrasse ins größte aller Feuer, den Sonnenuntergang: Möchte der Mensch wirklich zur Ruhe kommen, muss er sich manchmal ganz tief in die Wildnis begeben.

&BEYOND SUYIAN LODGE

Vor wenigen Jahren schien der Afrikanische Wildhund, nun ja, vor die Hunde zu gehen. Doch nun kehrt die Tierart zu alter Stärke zurück und leiht zudem ihren Namen der Suyian Lodge in Kenia. 14 Gästesuiten sowie die Haupt- und Nebengebäude der Anlage fügen sich harmonisch ins majestätische Bild der Trockensavanne. Im Herzen des Naturschutzgebiets Suyian Conservancy schlägt der Puls einer kaum berührten Natur. Diverse Expeditionen bieten Gelegenheit, diese zu erkunden. Aber unter uns: Ein Blick aus dem Kingsize-Bett hinaus durchs Panoramafenster reicht bereits, um von der Landschaft überwältigt zu sein. andbeyond.com

Teaser: Für alle, die Feuer und Flamme für Ferien in der Natur sind.

Du hast Angst vor Wildtieren? Wir haben weitere Traveltipps auf Lager.

Ab in die Wildnis.

Fotos: © Beyond Suyian Lodge

Tags: KeniaSuyian Lodge
Michael Rechsteiner

Michael Rechsteiner

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